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Damokles-Schwert über Wiechers
● Tourenwagen-Weltmeisterschaft: ● Neuer Pilot für den Rennstall ● Seats Ausstieg und die Folgen ● Nienburger freuen sich auf RTL
Technik-Chef Thomas Schiemann, Teambesitzer Wolfgang Kruse und Team-Manager Dominik Greiner (von links) starten optimistisch, aber auch mit einigen Fragezeichen in die nächste Tourenwagen-Weltmeisterschaft. Die wenigsten Sorgen bereitet indes das Auto, der BMW 320si. Foto: Schwiersch weitere Bilder »
Von Stefan Schwiersch
Nienburg. Wiechers Sport fährt auch 2010 in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft. Das klingt für die Motorsportfans im Kreis Nienburg bis dahin nicht sonderlich ungewöhnlich. Doch lange Zeit stand die Fortsetzung des Projekts auf der Kippe, da die Zusammenarbeit mit Pilot Stefano D‘Aste nicht verlängert wurde und ein neuer Fahrer erst auf den letzten Drücker gefunden wurde. Der Wechsel im Cockpit ist jedoch nicht die einzige Neuigkeit rund um den Nienburger Rennstall und die FIA-WM.
Der alte Fahrer
„Stefano hatte einen Forderungskatalog aufgestellt, dem wir nicht hundertprozentig entsprochen haben“, erklärt Teambesitzer Wolfgang Kruse. „Das hätte unseren Rahmen gesprengt.“ Eine Rennsaison beziffert Technik-Chef Thomas Schiemann auf rund 500 000 Euro, an diesem Paket muss sich auch der Fahrer mit seinen Sponsoren beteiligen. Nun geht man zwar freundschaftlich auseinander (D‘Aste fährt wieder für das Proteam aus Italien), obgleich weder Pilot noch Rennstall mit dem vierten Platz 2009 in der Privatfahrerwertung glücklich waren. Auf dem Tiefpunkt war die Stimmung nach den letzten Rennen im chinesischen Macau, als D‘Aste den BMW 320si mehrfach crashte, „da hat er den dritten Platz in der Gesamtwertung einfach weggeschmissen“, meint Kruse. „Vom Potenzial her war sogar Platz eins drin.“
Der neue Fahrer
Der Marokkaner Mehdi Bennani wird künftig den Wiechers-BMW pilotieren. Der 26-Jährige gilt als einer der besten Motorsportler seines Landes, er startete 2009 als erster Marokkaner überhaupt in der Tourenwagen-WM und fuhr bei seinem Heimrennen in Marrakesch auf Anhieb den Sieg in der Privatfahrerwertung ein. „Ich bin bereit für Podiumsplätze“, sagte Bennani vergangene Woche bei seinem Besuch in Nienburg. Das traut ihm auch Thomas Schiemann zu: „Mehdi hat bei seinen Gaststarts 2009 einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“ Kruse: „Auch von der Chemie her passt das 100-prozentig.“
Seat steigt aus
Die VW-Tochter Seat steigt – zumindest 2010 – als Werksteam aus der WM aus, der Konzern nennt wirtschaftliche Faktoren als Grund. Seat wird aber künftig Privat-Teams unterstützen. Es steht fest, dass sechs Leon TDi für das Team SunRed an den Start gehen werden. Und das sorgt nicht nur in Nienburg für gewisse Unruhe. Denn: Noch ist unklar, ob diese werksunterstützten Autos in der Privatfahrerwertung eingestuft werden, in der auch Wiechers fährt. „Die WM wird den Ausstieg von Seat wegstecken“, prophezeit Wolfgang Kruse. Doch sollte SunRed samt dem amtierenden Weltmeister Gabriele Tarquini plötzlich bei den Privatiers auftauchen, wären die Trauben auf dem Podest für die Nienburger kaum noch erreichbar. „Dieses Damokles-Schwert schwebt über uns.“ Mit einer Entscheidung ist frühestens Mitte Februar zu rechnen, drei Wochen vor dem Saisonstart.
RTL steigt ein
Die Fernsehpräsenz wird deutlich erhöht. Lief die Tourenwagen-WM bisher ausschließlich bei Eurosport, so zeigt RTL künftig jeweils vor der Qualifikation der Formel 1 einen Kurzbeitrag über die Weltmeisterschaft. „Das ist eine sehr gute Sache und wird die Popularität der Serie weiter erhöhen“, sagt Team-Manager Dominik Greiner, der darauf hofft, dass das deutsche Wiechers-Team dort entsprechende Aufmerksamkeit genießen wird.
Die neue Saison
Beim Test am 17. und 18. Februar im spanischen Valencia soll sich Mehdi Bennani zunächst an den BMW und die für ihn ungewohnte H-Schaltung gewöhnen. Das Wiechers-Team wünscht sich eine Endplatzierung auf dem Podest, weil das Auto das dafür nötige Tempo längst bewiesen hat. „Aber letztlich ist eine Prognose ein Schuss ins Blaue“, sagt Thomas Schiemann. „Es sind viele alte Hasen dabei, die mehr Streckenkenntnis haben.“
Die Renntermine
7. März Curitiba (Brasilien)
11. April Puebla (Mexiko)
2. Mai Marrakesch (Marokko)
23. Mai Monza (Italien)
20. Juni Zolder (Belgien)
4. Juli Portimao (Portugal)
18. Juli Brands Hatch (England)
1. August Brno (Tschechien)
5. September Oschersleben
19. September Valencia (Spanien)
31. Oktober Okayama (Japan)
21. November Macau (China)
vom 07.02.2010 | Ausgabe-Nr. 6
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